Alles Existierende ist beseelt – ob Atom, Stein, Pflanze, Mensch oder Sonnensystem. Der Begriff "Seele" bedeutet Bewusstsein, Empfindungsfähigkeit, Beziehung, Anziehung und Liebe, Licht, Weisheit, Denkfähigkeit und Erkenntnis als Auswirkung dieser Eigenschaften.

Ursprünglich war da das Eine.
Indem Es seinen Willen in Tätigkeit setzte, entstand ein Außen oder Nicht-Ich.
Gleichzeitig war das Bewusstsein "geboren", dass es ein Ich und ein Nicht-Ich gibt. Dieses Bewusstsein ist die Beziehung zwischen den beiden: der "Sohn", die Seele.

Die anziehende Energie der Seele verbindet das Ich und das Nicht-Ich, Geist und Substanz. (Sie ist auch der "Klebstoff", ohne den es keinerlei Form geben könnte.)

Die ursprüngliche Dreiheit
wird bezeichnet als:

oder in christlicher Terminologie als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In der Persönlichkeit sind die ursprünglichen Energien (Wille, Liebe-Weisheit, Intelligente Aktivität) jedoch "heruntertransformiert" zu

Der Mensch ist wirklich nach dem Vorbild Gottes geschaffen. Er ist das einzige Geschöpf auf der Erde, das selbständig denken kann und somit einen freien Willen besitzt. Das verleiht ihm die Möglichkeit zu wählen und zu erschaffen.

ENTSPRECHUNGEN DER DREI ASPEKTE

              Mensch
ICH Vater Geist Wille, Macht Leben geistiger Wille Geistiges Selbst persönlicher Wille, Vorstellung
Bewusstsein Sohn Seele Liebe-Weisheit, Christus-Bewusstsein Bewusstsein höheres, abstraktes Denken, Intuition Höheres Selbst konkretes Denken, Wunschdenken, persönliche Liebe
NICHT-ICH Heiliger Geist Substanz Intelligente Aktivität Form konkretes Denken, Intellekt Niederes Selbst Handeln, physischer Körper

Der Mensch erschafft immer mehr und besser spezialisierte Formen und hat seine Freude daran. Aber auch die Rückseite ist bekannt: Besitz befriedigt nicht dauerhaft. Das Leben hetzt nach Neuheiten, Abwechslung und Vergnügen. Stress, Krankheit und das Gefühl von Sinnlosigkeit sind die Folge.

Der Mensch lebt dem einen Pol zu, er ist einseitig ausgerichtet. Er ist unausgewogen.

Da er allmählich die Sinnlosigkeit und Gefahr seines Handelns begreift, stellt sich die dringende Frage: "Was überhaupt ist der Sinn?" Um im Bild zu bleiben: Die Waage muss ausgeglichen sein. Der Mensch kann entweder die eine Waagschale auffüllen, bis genauso viel darin ist wie in der anderen oder die andere Waagschale so weit entleeren, bis beide gleich schwer sind.

Vermutlich ist eine Kombination beider Vorgehensweisen angesagt, damit Extremsituationen von vornherein ausgeschaltet werden.

KONKRET FORMULIERT:
Der Mensch wendet sich dem Geistigen zu und nimmt materielle Dinge nicht mehr so wichtig. Er beschäftigt sich mit dem Hintergrund – mit dem, was hinter den sichtbaren Dingen liegt, dem "warum", den wirklichen Ursachen. Er hinterfragt Situationen ("Warum reagiert dieser Mensch so? Was denkt er? Was fühlt er wohl?).

Er sieht, dass der Mensch der Vermittler ist zwischen Geist und Materie, da er mit seiner Ausrichtung den Gang der Dinge beeinflusst: Er kann die Welt rasch zum Ersticken in der Form bringen und zum Kampf um die letzten Ressourcen. Aber er hat auch Einfluss darauf, dass Menschlichkeit und guter Wille, Verteilung der Güter der Erde und rechte menschliche Beziehungen an der Spitze der Werteskala stehen.


UND WAS IST MIT DER SEELE?

"Geist" kann über den Vermittleraspekt "Seele" erreicht werden. (Christus: "Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.) Also muss der Mensch zunächst letztere anpeilen. Das, was "ich" sagt im Menschen (die menschliche Seele), ist Bewusstsein, ein Bruchteil seiner geistigen Individual-Seele, die auf einer höheren Bewusstseinsebene angesiedelt ist.

Dieses Ich identifizierte sich seither mit dem Körper und mit der Persönlichkeit. Jetzt muss es lernen, dass es Seele ist und Körper und Persönlichkeit zum Werkzeug umzuformen hat:

a) Alles Erschaffene trägt in sich einen Funken, einen Bruchteil Gottes: die Seele. "Alles Erschaffene" meint jedes Atom und alles daraus Entstandene: Mineral, Pflanze, Tier, Mensch, Planet, Sonnensystem.
b) Der Mensch nimmt eine besondere Stellung ein. Sein Seelenfunke wurde zu einer Zeit stimuliert, die noch lange vor dem sog. Atlantischen Zeitalter lag. Diese "Individuation" machte ihn zu einem individuellen Wesen mit Eigenbewusstsein und sich weiterentwickelnder Intelligenz. Heute ist der Mensch eine menschliche Seele mit einem Tierkörper plus Intelligenz, Schöpferkraft, freiem Willen und Denkvermögen. Er lernt so lange durch Versuch und Fehlversuch, bis er den Weg zu seinem Selbst, der Individualseele gefunden hat.

Aufgabe der Seele ist es, den Menschen nach und nach zu beeinflussen und ihn auf ihre Seite zu "ziehen", denn Seele ist eine anziehende Kraft. Da Leben eine fortschreitende Entwicklung aller Lebewesen bedeutet, kann der Mensch mit seiner Ausrüstung als "Entwicklungshelfer" tätig sein.

Weil er selbst weitergeht und sich "verbessert", gibt er seinen Körperzellen diese Impulse weiter, denen sie sich anpassen. (Das beginnt mit Charakterschulung, den Zehn Geboten, mit Kontrolle der Emotionen und des Denkens und geht weiter mit der Bildung eines immer feiner werdenden Wahrnehmungsvermögens bis hin zur Seelen-Ebene.) Er hebt seine physischen, emotionalen und mentalen Energie-Einheiten auf eine höhere Stufe.

Es gibt 7 Energie-Arten oder Bewusstseinsstufen auf diesem Planeten. Fünf davon hat der Mensch zu meistern.

Zur Zeit ist er im Begriff, den Übergang zur Intuitions-Ebene anzugehen und sich mit seiner Seele, die dort angesiedelt ist, zu verbinden. Er ist zwar ständig mit ihr verbunden, da er sich aber mit seinem Denken so gut wie immer in der materiellen Welt des Alltags bewegt, kann er die Seelenebene nicht wahrnehmen. Er muss also bewusst daran arbeiten. Das geschieht so:

Das Ich beginnt, sein Denkvermögen zu trainieren und lernt, es konzentriert und beständig auf einem Punkt beschäftigt zu halten. Gelingt das, so geht die Konzentration über in eine konzentriert abwartende Haltung der Seele gegenüber. Von dort erhaltene Impulse übt das Ich zu erfassen und dem Gehirn zu vermitteln, welches das Wahrgenommene formuliert. Dieser Vorgang wird "Meditation" genannt und ist das Mittel, eine Brücke oder Verbindung zur Seele herzustellen.

Damit übernimmt der Mensch seine Rolle als Mittler zwischen Geist und Materie. Es genügt jedoch nicht, Ideen und Eindrücke zu erhalten, sie müssen im Alltag in eine konkrete Form gebracht und gelebt werden.

Die Waagschale des Geistigen wird voller, der Mensch lebt ausgewogener. Die Welt wird menschlicher und friedlicher und das Leben erhält wieder Sinn. Die Menschen wissen, dass sie geistiger Herkunft sind und unsterbliche Seelen.

Der Mensch findet in sich sein Zentrum, seine Quelle, aus der ihm Sicherheit und Sinn entstehen. Er muss dies nicht mehr in äußeren Dingen oder anderen Menschen suchen und kann sich von diesen Bindungen lösen. Seine Reaktion der Seele gegenüber wird immer sicherer – er lässt sich von ihr führen, von seinem "inneren Meister".

Da "Seele" Liebe-Weisheit, Licht, Erkennen, Verständnis, rechte menschliche Beziehungen und Mitgefühl bedeutet, ist es nötig, "harmlos" zu leben (ohne Leid, ohne Harm zuzufügen). Das bedeutet kein schwächliches Sich-Zurücknehmen, sondern ständigen aktiven Einsatz und Kontrolle.

REGEL DER HARMLOSIGKEIT
Nicht verletzen, angreifen, kritisieren, nichts erwarten, nichts unterstellen –
nicht im Denken, Sprechen und Handeln.


ZURÜCKGEHEN

Dadurch, dass der Mensch bewusst eine Seelenverbindung herstellt, unterstützt er den Evolutionsvorgang, der kleine Bewusstseinseinheiten zu immer größeren Verbänden mit umfassenderem Bewusstsein und Wahrnehmungsvermögen zusammenführt. Dabei dienen die Körperformen der innewohnenden Seele als Ausdrucksmittel.

So fügt der Mensch im Lauf seiner Entwicklung seinen Körper, seine emotionale und mentale Energie zu einer funktionierenden Einheit zusammen. Danach geht er daran, diese der Seele anzugliedern. Die Seele wiederum ist Teil einer von vielen Seelengruppen, die zusammen die Weltseele bilden. Daher ist alles Lebende miteinander verbunden, ob es darum weiß oder nicht.

Am Ende der Seelen-Erfahrung steht der Übergang in das "Haus des Vaters", von dem die Seele ausgegangen ist: Der "geistige Mensch" hat die Fähigkeit entwickelt, auf allen fünf Ebenen bewusst zu sein.


VEREINFACHT DARGESTELLT:

Geist lässt sich von der Materie einschließen, ("opfert" sich, "stirbt"). Er hilft ihr, neue Qualitäten zu entwickeln und verfeinerte, verbesserte Formen zu bilden, um ihr auf dem Rückweg behilflich zu sei.

Auf diesem Rückweg (Evolution) "stirbt" wiederum die Materie bzw. die Form, denn sie wird immer feiner und geistiger und geht allmählich in den Geist über, der dadurch wieder frei wird.

Er trägt mit sich alle Erfahrungen, d. h. er weiß, was zum Beispiel Emotionen sind, was sie bewirken und wie man sie meistert – er ist sich dieser Ebene bewusst und kann sich nach Wunsch auf ihr betätigen.


"Tod" bedeutet einen Übergang entweder auf eine andere Bewusstseinsstufe oder auf eine höhere Entwicklungsstufe. Das frühere Bewusstsein bleibt dabei im ersten Fall erhalten (Tod des physischen Körpers), und im zweiten Fall wird es durch die Integration in die nächstgrößere Einheit umfassender. (Ein Kind zum Beispiel wird erwachsen. Es lässt seine Kind-Form hinter sich und entwickelt einen erwachsenen Körper.)

Die alte Form "stirbt" und eine neue, verbesserte und besser angepasste entsteht. Das gleiche geschieht mit der emotionalen und mentalen Ausrüstung, mit Verstand und Verhalten. Durch Erfahrung lernt der Mensch und entwickelt ein anderes Verständnis, angemesseneres Verhalten und größere Denk- und Lernfähigkeit. Er lässt ständig alte Formen sterben und schafft neue, bessere.


Wenn er seine Möglichkeiten erschöpft hat, ist es Zeit, seinen Körper und seine Persönlichkeit abzulegen. Die Seele ruft ihn zurück, um zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Persönlichkeit und einen neuen Körper mit dem verbesserten Material der letzten Lebenserfahrung zu bauen und an ihrem Entwicklungsziel weiterzuarbeiten. Der "neue" Mensch beginnt also sein neues Leben dort, wo das alte aufgehört hat. Sein Bewusstsein ist das gleiche geblieben. Es ist unsterblich, verändert und erweitert sich aber auf seiner Reise vom Geist zur Materie und wieder zurück.

Das Leben besteht aus vielen Teilabschnitten, die ineinander übergehen. Auf den Menschen bezogen:

und viele andere.


Alle diese Stationen bestehen aus vielen "Toden" und vielen "Geburten" oder Neuanfängen. Immer muss das Niedere dem Höheren Platz machen und "sterben". Da aber Energie (Materie und Formen, ja sogar Gedanken sind nichts als verdichtete Energie) niemals zerstört, sondern nur umgewandelt werden kann, ist "Tod" eine Illusion. (Einsteins Satz von der Erhaltung der Energie)

Das Höhere "opfert" sich, indem es sich dem Niederen zur Verfügung stellt und ihm bei seiner Entwicklung hilft. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, denn auch das Niedere stellt sich dem Höheren zur Verfügung (zum Beispiel als Nahrung oder als Körper). Am Ende aller Zyklen sind die vielen Formen aufgelöst und die vielen kleinen Leben zusammengefasst in dem Einen Großen, aus dem sie gekommen sind.

Das ist der Weg der Seele, des Gottessohnes, der in der Welt "verlorenging", der sich "aufmacht zu seines Vaters Haus", und der "bei uns bleibt bis zum Ende der Welt" – so lange, bis das letzte Atom "gerettet" ist.

Der Inhalt orientiert sich an den Büchern von Alice A. Bailey,
u. a. an
Esoterische Psychologie Band I und Band II
Eine Abhandlung über die Sieben Strahlen