1. DIE ERFAHRUNG

Kinder stellen eine Herausforderung dar – wenn sie klein sind, wenn sie größer werden, wenn sie groß sind und bevor sie überhaupt da sind: Sie kommen nicht zum richtigen Zeitpunkt, sie verursachen Kosten, sie überfordern einfach. Oder man will sie haben, um eine Ehe zu kitten, um einen Nachfolger zu haben, als Stütze im Alter oder um etwas zu besitzen, das einem gehört usw.

Viele Menschen haben daher die Erfahrung gemacht (oder auch nur das Gefühl), nicht willkommen zu sein, so wie sie sind. Sie fühlen sich abgelehnt, weggeschoben, nicht beachtet, ausgestoßen, klein gemacht und allein gelassen usw.

2. DIE NEGATIVE ÜBERZEUGUNG

Sie ziehen daraus den Schluss, nicht wertvoll zu sein, nichts zu sein und besser überhaupt nicht da zu sein.

Sie fühlen sich wertlos, dumm, hässlich usw.

3. DIE VORSTELLUNG

Sie entwickeln die Vorstellung, sich durch Anpassung Liebe und Anerkennung verdienen zu können – wenn sie alle Erwartungen erfüllen, die von außen an sie gerichtet werden.

Andere geben auf, ziehen sich in sich zurück, werden depressiv. Wieder andere revoltieren: Sie kritisieren, randalieren, werden kriminell oder gehören Randgruppen an und distanzieren sich von der Gesellschaft, werden süchtig in irgendeiner Form.


Immer jedoch geschieht dasselbe:

Um überleben zu können, werden die eigene Art, die wirklichen Bedürfnisse, das eigene Leben zur Seite geschoben und verdrängt. Man versucht, so zu leben, dass man von "der Welt" Anerkennung und Liebe erhält – oder wenigstens Aufmerksamkeit.

Ein Verhaltensmuster wird entwickelt, das eine ganz andere Person mit bestimmten Qualitäten zeigt: Fleiß, Hilfsbereitschaft, Ordnung, Perfektion, nett sein, brav sein, "ja" sagen – oder das Gegenteil von allem, um "anders" oder etwas Besonderes zu sein und so wenigstens "negative" Aufmerksamkeit zu erhalten.

Man erfüllt Erwartungen anderer oder die vermeintlichen Erwartungen anderer oder die eigenen Erwartungen an sich selbst (man erwartet von sich, das alles zu tun, um sich damit Anerkennung verdienen zu können).

4. DAS VERHALTENSMUSTER

Durch das Verhaltensmuster wird der eigentliche Wesenskern ausgetauscht gegen ein Phantombild, gegen die Vorstellung von etwas Erwünschtem.

Das Verhaltensmuster drückt den wirklichen Wesenskern (das wirkliche Leben) mit seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen zur Seite. Er wird der Vorstellung geopfert.

Alltagssituationen spiegeln das wider. Man lässt sich von anderen bestimmen oder lebt in ständigem Konflikt mit Vorschriften oder auch mit einfachen menschlichen Regeln. Man gerät immer wieder in Situationen, in denen man sich minderwertig vorkommt oder als minderwertig behandelt fühlt.

Der wirkliche Wesenskern, das Leben, wird nicht beachtet und geachtet. Seine Energie – die ja nicht wirklich "weg" ist, sondern nur weggedrückt – kann sich nur durch Frust, Wut, Angst, Depression und über körperliche Schwierigkeiten bemerkbar machen. Sie explodiert und macht Revolution.

Eine milde Form davon: Man sagt jemandem auf heftige Art und Weise seine Meinung.


EIN KREISLAUF ENTSTEHT


5. DIE KOMPENSATION
a) Um Anstrengung und Frust aushalten zu können, wird kompensiert mit: Essen, Trinken, Naschen, Rauchen, Fernsehen, Einkaufen, "haben wollen" usw.

Aber das wirkliche Wesen ist dennoch unbefriedigt: Es hungert nach Leben. Ein großes "Loch" der Lebensleere will gefüllt werden. Kompensieren wirkt jedoch nur oberflächlich, denn das wirkliche Bedürfnis ist weiterhin nicht gestillt.

Der unterdrückte "echte Wesenskern", das wirkliche Leben, meldet sich immer wieder (siehe "Ein Kreislauf entsteht"). Er ist ja nicht weg – er lebt nur im Verborgenen. Seine Energie staut sich auf und entlädt sich von Zeit zu Zeit auf vielerlei Art.
b) Man kompensiert, weil man sich so anstrengen muss. Und man strengt sich an, weil man glaubt, man könne nicht anders, die Umstände hätten einen zum Opfer gemacht. Gleichzeitig glaubt man selbst felsenfest, man sei ein armer Mensch und ein Opfer der Umstände: Man macht sich selbst zum "Armen" und zum Opfer.

KURZFASSUNG

Zum Beispiel:

1. DIE ERFAHRUNG, nicht willkommen zu sein

2. DIE NEGATIVE ÜBERZEUGUNG, nicht wertvoll zu sein

3. DIE VORSTELLUNG, sich Liebe und Akzeptanz verdienen zu müssen

4. DAS VERHALTENSMUSTER, alle Erwartungen erfüllen zu müssen

5. DIE KOMPENSATION, naschen, rauchen, fernsehen, "haben wollen"

zeigen als Ergebnis

6. DIE LEBENSSITUATION


BEISPIEL
DAS "ALTE" (die alte Programmierung)

Offensichtlich bin ich - klein, dumm, nichtsnutzig, nichts, nicht schön, nicht intelligent.
Ich bin daher - ungeliebt, allein, verloren.
Ich fühle mich - abgeschoben, klein gemacht, nicht beachtet, nicht anerkannt, übergangen, ausgenutzt, als Opfer des Lebens/der anderen.

Ich muss daher - außen suchen, um eine Tätigkeit zu finden, mit der ich meinen Wert beweisen kann
- mich anpassen, Erwartungen erfüllen, es recht machen
- tüchtig sein
- mich "schön" präsentieren, mich kontrollieren, adrett und korrekt erscheinen
- hilfreich sein
 

BEISPIEL

"ICH WILL SO VIELES HABEN" bedeutet eigentlich: Ich will Liebe haben.

(Weil ich aber bescheiden, lieb usw. sein muss, habe ich Schuldgefühle, wenn ich gegen dieses "Gebot" handle und Angst davor, bestraft zu werden.
Wenn ich mir also etwas gönne, muss ich von vornherein mit Schuldgefühlen rechnen.)

Wenn ich mich anders als seither verhalte, muss ich damit rechnen, dass die anderen negativ reagieren.

ICH BIN NICHT MEINE ARBEIT.
Auch wenn meine Arbeit (mein Handeln, mein Wesensausdruck, mein Ich)
nicht "ankommt", bin ich trotzdem wertvoll.
(Man harmoniert nicht mit jedem Menschen.)

DAS HEILMITTEL: Denken und die Vorstellung auf ein anderes Selbstbild umlenken.