Zuvor eine Geschichte.

Ein Mann klagt: "Lieber Gott", sagt er, "siehst Du nicht, wie es in der Welt zugeht? Warum tust Du nichts? Warum rettest Du die Welt nicht? Willst Du den leidenden Menschen nicht helfen? Wir sind doch Deine Kinder!"

Darauf hört er einen Seufzer, und eine resignierte Stimme sagt: "Ihr müsst die Gebrauchsanleitung lesen."

Haben wir denn eine Gebrauchsanleitung mitbekommen? Wir lernten zum Beispiel von unseren Eltern, was "man" tut und was "man" nicht tut. Wir lernten Vieles. Unter anderem lernten wir auch, ein Wettbewerbsdenken zu entwickeln, um mehr sein und mehr haben zu können als die anderen. Wir lernten zu denken und Individuen zu sein, aber wir bewegten uns dabei vom Ganzen weg. Wir verloren das Getragensein, das Vertrauen, den Sinn.

In den Großen Weisheitsbüchern der Welt haben wir wohl so etwas wie eine Gebrauchsanleitung gefunden – aber wer kann schon wirklich und ernsthaft bis ins Kleinste danach leben? Jeder ist sich auch heute noch der Nächste und es sind immer die anderen, die sich ändern müssten.

Die sieben Merkblätter sollen so etwas wie eine Gebrauchsanleitung sein, die zum Verständnis des Ganzen beitragen.


MERKBLATT 1
DIE NEGATIVE ÜBERZEUGUNG UND DAS VERHALTENSMUSTER

Viele Menschen haben das Gefühl, als Kind nicht genügend Zuwendung erhalten zu haben, zu sehr gefordert oder zu wenig beachtet, als Junge oder besser überhaupt nicht geboren worden zu sein und vieles andere mehr.

Diese Erwartungen und Abweisungen verletzen tief. Es entsteht eine

Negative Überzeugung wie zum Beispiel:

"Weil ich nicht willkommen bin, bin ich sicher wertlos und sollte am besten nicht da sein."

Weil er aber leben und überleben muss, entwickelt der Mensch ein

Verhaltensmuster wie zum Beispiel
a) Anpassung mit Fleiß und Tüchtigkeit, um irgendwann doch noch akzeptiert zu werden
b) Ablehnung, Aussteigen, Protestieren, Kritisieren, Revoltieren, um zu zeigen, dass man besser ist als die anderen (die einen ablehnen und anders haben wollen) oder um wenigstens eine negative Art der Aufmerksamkeit zu erwirken.

Im Lauf der Jahre entwickelt sich daraus eine starke Gedankenform, die jedes Denken und Handeln in ihre Richtung zieht. Ein automatischer Kreislauf entsteht.

Zum Beispiel

oder zum Beispiel

Das Verhaltensmuster kann die innere Verletzung nicht heilen oder ausgleichen. Die Kreislauf-Erfahrung zeigt, dass dies nicht gelingen kann.

Kompensierende Mittel, nach denen der Mensch in seiner Verzweiflung greift, decken den schlimmsten Schmerz für eine Weile zu: Naschen, Essen, Trinken, Fernsehen und Anderes und Schlimmeres. Aber all dies bringt nicht die erhoffte Erlösung.


Auf die Frage
"Warum ist der Mensch in diese Situation geraten?"
kann jetzt festgestellt werden:

Er hatte eine bestimmte Vorstellung von sich.
(NEGATIVE ÜBERZEUGUNG)

Und er hatte eine Vorstellung davon, wie er leben müsse, damit er überleben kann.
(VERHALTENSMUSTER)
Und so lebte er.


Er hatte offensichtlich die "Regel des Denkens" nicht gekannt. Sie lautet:

DEM DENKEN FOLGT ENERGIE.

Durch Denken und Vorstellungen erschaffen wir unser Leben.
Wir bewegen uns daher innerhalb einer Welt von uns erschaffener Formen.
Weil wir das nicht wissen, verändern wir immer nur Formen anstatt der Ursachen.

Schwierige Situationen haben wir unwissentlich selbst so gestaltet.


So hat der Tüchtige zum Beispiel ständig mit Menschen zu tun, die ihm Hilfe und Tüchtigkeit abverlangen. Er bietet sozusagen Tüchtigkeit an und erhält natürlich das Passende als Ausgleich: Menschen, die viel von ihm erwarten.


Das Verhaltensmuster

Das Verhaltensmuster strebt Tüchtigkeit an. "Tüchtigkeit" ist hier jedoch nicht das eigentliche Thema. Es ist nur die Auswirkung oder äußere Form. Darunter steckt noch die negative Überzeugung, nicht geliebt zu werden, ein Nichts zu sein, und dass es daher überlebenswichtig ist, von anderen Liebe und Akzeptanz zu erhalten.

Das wirkliche Thema ist "Akzeptanz und Liebe".


Die negative Überzeugung