Unser Sonnensystem steht unter dem Gesetz der Anziehung, dem Gesetz der Liebe. Gott ist Liebe. Gott ist auch Wille und Macht, und Gott ist intelligente Aktivität. Gott ist dreifach.

Liebe ist eine zweifache Energie aus Weisheit/Wissen/Intellekt und Liebe/Intuition. Daher ist unsere Welt eine duale Welt.

Gottes zweiter Aspekt, die Energie der Anziehung, verbindet Geist (Wille, geistige Absicht) und Substanz (die intelligente, aktive Denksubstanz) zu Formen.

Auch der Mensch trägt die drei Aspekte Gottes in sich – in "menschlicher" Form.

Der Mensch besitzt zwar im Allgemeinen den guten Willen dazu, aber es gelingt ihm noch nicht, in Frieden mit sich und der Welt zu leben. Er ist noch nicht soweit. Er ist fasziniert von den vielen Möglichkeiten, die die Welt bietet, und er ist gebunden an Besitz, Menschen und Wünsche. Er weiß noch nicht wirklich, dass alles Leid der Welt herrührt von der Bindung an die materielle Welt.

Sein ganzes Leben besteht in der Anstrengung, alles für sein Wohlergehen zu tun. Er setzt seine ganze Kraft dafür ein, um für sein "Glück" zu kämpfen. Er benutzt seine Willenskraft, um seine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen. Damit steht er im Widerspruch zur Grundenergie des Sonnensystems, die von allen Lebewesen entwickelt und zum Ausdruck gebracht werden soll: Liebe‑Weisheit, die sich als Verständnis, Mitgefühl und rechtes Miteinander äußert und stets das Ganze betrifft, nicht den Einzelnen.

Der Mensch ist nach außen orientiert. Erst, wenn eine Krise sein ganzes Weltgebäude zum Einsturz bringt, gibt es Raum für Neues und für neue Gedanken, besteht eine Chance für einen Richtungswechsel. Krisen treten auf, weil Neues gewachsen ist und sich am Alten reibt. Das Neue kann Überdruss sein, die Empfindung von Sinnlosigkeit oder die tiefliegende Erinnerung an Einssein und Geborgenheit. Es kann Frustration und Depression bedeuten und ein Festgefahrensein auf mehreren Ebenen gleichzeitig oder auch ein psychischer oder physischer Zusammenbruch.

Immer jedoch wird eine Spaltung empfunden von etwas, das einmal gut war oder besser als heute. Immer sind es andere, denen es besser geht, und immer sind es die anderen oder "die Welt", die es einfach nicht gut meint mit einem.

Durch seine Ausrichtung an persönlichen Interessen verursacht der Mensch eine Trennung vom Ganzen, das das Leben aller Seelen ist und daher auch dasjenige seiner Seele. Er begrenzt sich auf seinen persönlichen Willen und seinen persönlichen Erfahrungsschatz, anstatt sich auf seine Seele, die Innere Weisheit, zu beziehen und aus ihrer Quelle zu schöpfen. Solange er das noch nicht tut, wird er einen ständigen Kampf führen um Glück und Harmonie – in sich, zwischen Menschen und zwischen Völkern.

Der Mensch muss "unpersönlich" werden, um stattdessen Liebe und Bewusstsein zu entwickeln. Bisher setzte er seinen persönlichen Willen/seine persönliche Macht ein, um bestimmte Ziele zu erreichen: Wohlbefinden, Besitz usw. Er benützt damit den 1. Aspekt, um in der materiellen Welt der Formen (3. Aspekt) tätig zu sein – nur benutzt er ihn im eigenen Interesse statt zum Wohl des Ganzen. Aus diesem Grund leidet er, denn er setzt Aktionen in Gang, die das Gesetz von Ursache und Wirkung durch entsprechende Reaktionen wieder ausgleichen muss, damit das entstandene Ungleichgewicht wieder ausgewogen ist.

Wird die Energie des Willens und der Macht zu persönlichen Zwecken benutzt, so entstehen daraus:

MACHT
Der Einzelne

Erwartung
Meinung
Manipulation, Übergriff
Zwang
Programm, Ideologie
bestimmen
aufdrängen
überzeugen

Auch der Liebes‑Aspekt wird in der Regel nur "menschlich" angewandt. Man liebt einen anderen, weil er bestimmte Merkmale besitzt oder weil er einen selbst bewundert und bestätigt, weil er einen beschützt und versorgt oder weil er schlicht tut, was man will. Menschliche Liebe ist so gut wie immer von Erwartungen geprägt.

Die Eigenschaften des Liebes‑Aspekts betreffen aber immer die Ganzheit und das Miteinander.

LIEBE
Das Ganze

bedingungslose Liebe
Akzeptanz
Toleranz
Mitgefühl
Gerechtigkeit
Gleichheit aller
Miteinbeziehung, Beziehung
Mitbestimmung
rechtes Miteinander

Gleich welche Verletzungen und schmerzlichen Erfahrungen einer erleiden musste, es geht letztendlich immer um den Verlust der Einheit – der Einheit mit sich und der Welt. Das ganze Leben besteht aus der Suche nach Zufriedenheit und Glück. Und das bedeutet soviel wie die Suche nach Einheit und Einssein.

In der materiellen Welt kann dies nicht gefunden werden. Hier gibt es viele Dinge, viele Einzelheiten, viele Zyklen und Wechsel. Alles verändert sich ständig, und was sich nicht ebenfalls verändert, sondern stehenbleibt, wird beiseitegeschoben und überrollt oder zerbricht eines Tages. Das ist die Welt der Formen.

Das Leben selbst, das diese Formen hervorbringt und bewegt, ist jedoch immer das gleiche.


Der verletzte Mensch ist in seinem Liebes‑Aspekt verletzt oder gestört. Aus dieser Erfahrung heraus hat er nur eine begrenzte Auswahl an Denkmustern, Erkenntnis und Verstehen zur Verfügung. Alles Handeln (Dritter Aspekt) hat die Absicht/den Willen (Erster Aspekt), Liebe (Zweiter Aspekt) zu erhalten und damit die Einheit in sich wieder herzustellen.


KOMPENSATORISCHE FORMEN können sein:

A Erwerb von begehrenswerten Dingen, Besitz
Suche nach befriedigenden Erlebnissen/Beziehungen
Süchte wie Essen, Trinken, Rauchen, schnelle Autos und anderes

Das Ergebnis:   Kurzfristig Befriedigung, auf Dauer Gefühl von Sinnlosigkeit und Frust.


KOMPENSATORISCHES VERHALTENSMUSTER:

B Erwarten
Einfordern
Erzwingen
sich "Erarbeiten" von Akzeptanz/Zustimmung

b)
Nach außen gerichteter Wille/Macht

"anders" sein und damit seinen Wert beweisen
auffallen
bestimmen
Zustimmung erwarten
ständig reden (Aufmerksamkeit haben und
überzeugen wollen)
fordern
andere kritisieren
andere manipulieren
Härte und Gleichgültigkeit
a)
Nach innen gerichteter Wille/Macht

unterschwellige Erwartung
(= Manipulation, um akzeptiert zu werden)
Anpassung
helfen ("hilfloser Helfer")
Tüchtigkeit
strenger Richter/Kritiker sich selbst gegenüber
heimlich kritisieren, meckern, stänkern
sich selbst tyrannisieren
Mitleid erregen
 

Da beide Verhaltensweisen erwarten und fordern, können sie als Auswirkung (Gesetz von Ursache und Wirkung) nur Gleiches oder Ähnliches erreichen bzw. je nach Intensität des Forderns höchstens annähernd oder kurzfristig erfolgreich sein. Beide Typen erleben zum Beispiel Ablehnung, da die Erwartung von Akzeptanz als Gegenreaktion die Erwartung von "lass' mich in Ruhe" erzeugt.

Beide zeigen nach außen eine falsche Persönlichkeit – verzweifelte Versuche, in der Hoffnung, im Umfeld Anklang und Akzeptanz zu erfahren.

WAS IST ZU TUN?

Verschiedene Therapien können die früher erlebte Verletzung wieder sichtbar machen und zusammen mit dem Betroffenen der heutigen schwierigen Situation zuordnen. Damit kann man verstehen, warum man so ist wie man ist.

Zwar ist es möglich, sich mit Disziplin ein anderes Verhalten anzutrainieren, doch ist das nicht immer so einfach. Eigentlich möchte man sich ja anders verhalten, um damit Situationen und Menschen anders begegnen zu können als seither, aber im Grunde will man etwas ganz anderes.

Das frühere schmerzliche Erlebnis bedeutet die Trennung von der davor empfundenen Einheit oder dem Einssein mit sich und der Welt, dem Grundbedürfnis des Menschen. Das kompensierende Verhalten sollte das sich auftuende große Loch stopfen. Ein neu anvisiertes, eventuell gegenteiliges Verhalten wäre zwar besser – aber wird damit das Loch gefüllt?

Das damals lebensrettende Verhaltensmuster beherrschte seither mit Zwang und Manipulation – also durch Machtausübung – die Persönlichkeit. Sie hatte keine andere Wahl und kein anderes Rezept. Sie wollte einfach ihr Bedürfnis nach Einheit und Einssein – nach Liebe – damit stillen.

Wollte man sich jetzt ein anderes Verhalten antrainieren, bedeutete dies ebenfalls Manipulation und Macht. Die Form des Verhaltens wäre zwar eine andere, doch sonst bliebe alles beim alten, samt einprogrammierter Krise. Mit Macht lässt sich Liebe nicht gewinnen.


Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit. Man bringt eine neue Energie ins Spiel und wendet sich an die eigene Innere Instanz. Man wendet seine Aufmerksamkeit von dem alten Erlebnis und allen diesbezüglichen Erfahrungen ab und der Inneren Weisheit zu, der Seele, die jeder in sich trägt. Man kann dabei so vorgehen:

  1. Um den Verstand vom sinnvollen und praktischen Nutzen der neuen Ausrichtung zu überzeugen, setzt man sich mit den Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der Energie der Seele auseinander.
  2. Man nimmt Kontakt auf zu dem neuen Partner und richtet sich nach seinen Anregungen/Impulsen.

(Siehe weiter unten "Die Verbindung mit der Seele")


EINIGE BEISPIELE

tun, was zu tun ist und sich nicht um das Ergebnis kümmern
nichts erwarten (weder Lob und Anerkennung noch Fehlschläge)
nicht schädigen
zufrieden sein mit jedem Zustand = akzeptieren, was ist.
(Das meint nicht ein resigniertes Laufenlassen. Da man tut, was zu tun ist und nach innen horcht/auf das LEBEN hört, tut man genau das Richtige.)
JETZT leben (Auf diese Weise wird immer das Richtige zur richtigen Zeit getan – ohne Stress und Hetze. Es gibt nur diese Zielvorgabe, kein persönliches Ziel/Streben/ Wollen. Dann ist alles vorhanden, was zum Leben gebraucht wird.)

Dazu die Regel der Harmlosigkeit:
Nicht kritisieren, angreifen, verletzen, nichts unterstellen oder erwarten –
nicht im Denken, Reden und Handeln

MACHT und LIEBE müssen zusammenwirken, sonst tritt der zerstörende Aspekt der Macht und des Willens zutage, weil er zugunsten eines Einzelnen und nicht (unpersönlich, ohne eigenes Wollen) zugunsten des Ganzen eingesetzt wird.

Liebe ist Anziehungskraft, die vorhanden sein und ausströmen muss, um anziehen zu können. Sie muss einfach da sein und sich "geben". Sie gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie handelt, ohne an den Erfolg zu denken. Wo sie fehlt, gibt es kein Verständnis und keine Beziehungen irgendwelcher Art. Macht ohne Liebe ist zerstörerisch.


* Hier kommt die Zeitlose Weisheit ins Spiel, wie sie z. B. in Büchern von Alice A. Bailey ("Esoterische Psychologie", "Eine Abhandlung über die 7 Strahlen" usw.) oder von Annie Besant ("Uralte Weisheit" und "Eine Studie über das Bewusstsein") erläutert wird, weiter Buddhas Regeln des Edlen achtfachen Pfads, Bücher des LOLA-Prinzips usw.

Siehe auch "…und was ist mit der Seele?" und "Mensch und Energie".

DIE LÖSUNG DES PROBLEMS:

Den Blick abwenden vom Alten, von

  1. der Verletzung und den entsprechenden Erfahrungen,
  2. von sich als dem Leidenden und "mit Recht" Fordernden

und hinwenden auf ein neues Ziel, den Liebes‑Aspekt an sich. Wenn der "unverletzte" zweite Aspekt die Art oder Qualität des Handelns bestimmt, wird der Wille-/Macht‑Aspekt in der rechten Weise eingesetzt. Macht wird nicht länger destruktiv und über andere (oder sich selbst gegenüber) ausgeübt, sondern im positiven Sinn über sich selbst.