Warum leidet der Mensch?

Einerseits will niemand einem anderen Leid wünschen, aber andrerseits ist Leiden unumgänglich, damit der Mensch sich weiterentwickeln kann. Er hat sich durch Versuch und Fehlversuch zu eigenen, freiwillig getroffenen Entscheidungen durchzukämpfen, die ihm am Ende klarmachen, dass er selbst seinem Leben die Richtung gibt. Leiden zwingt den Menschen zum Nachdenken darüber, warum er so leiden muss.

Leid wird jedoch immer weiter sein Begleiter sein, bis er versteht, was all dem zugrundeliegt.

Gautama Buddha wuchs als Prinz an einem Königshof auf und wurde von allem ferngehalten, was ihn auf eine leidvolle menschliche Existenz aufmerksam machen könnte. Trotz aller Vorkehrungen sah er eines Tages einen Armen, einen Alten und einen Kranken. Er war so bestürzt, dass er den Palast verließ, um als Einsiedler zu leben und Belehrung über das Leben zu suchen. Jahre der Kasteiung brachten die Einsicht, dass nur ein Mittelweg zwischen Askese und Ausleben der Bedürfnisse dem Menschen dienlich sei.


Die Erfahrung seines Erleuchtungserlebnisses formulierte er später in den bekannten "Vier Edlen Wahrheiten":

1. Alles Bestehende in der Welt der Erscheinungen ist untrennbar von Kummer und Leid.
2. Die Ursache des Leidens ist das Verlangen nach einem Leben in der Welt der Erscheinungen. *
3. Das Aufhören des Leidens erfolgt durch Überwinden des Verlangens nach der Existenz in der Welt der Erscheinungen.
4. Der Weg zur Beendigung des Leidens ist der "Edle Achtfache Pfad", auf dem rechter Glauben, rechte Absicht, rechtes Sprechen, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Denken und rechte Konzentration zum Ausdruck gebracht werden.

Buddha gab den Menschen das Wissen darüber, wie Leiden zum Aufhören gebracht werden kann. Christus baute darauf auf und brachte zum Wissen die Liebe ** ins Spiel. Er zeigte anhand seiner Lebensstationen, wie beides zusammen den "Weg zum Vater" bildet, und forderte die Menschen auf, ihm auf diesem Weg nachzufolgen.


* Das "Verlangen nach Existenz in der Welt der Erscheinungen" zu überwinden bedeutet, sich allmählich freizumachen von allen persönlichen Vorlieben und Bindungen zu Dingen und Menschen und anstatt dessen den Standpunkt eines gelassenen Beobachters seines Lebens einzunehmen. (Damit verlässt man die Ebene der "Welt der Erscheinungen".) Man wird so handeln, wie es der Augenblick erfordert, ohne an etwaige Verdienste zu denken und ohne andere zu schädigen oder zu verletzen.

** "Liebe" bedeutet eine Beziehung, die keine Unterschiede macht und nichts verlangt – die also "unpersönlich" ist und jeden behandelt, so wie er ist und als gleichwertiges Mitglied der großen Familie aller Lebewesen.


Leiden als Mittel oder Methode hat seinen Ursprung in der speziellen Energie, unter deren Einfluss die Menschheit als Ganzes steht. Es ist die Energie der "Harmonie durch Konflikt". Der Mensch lernt seine Lektionen mit ihrer Hilfe, und wenn es ihm durch Einsatz der Energie der "Liebe und Weisheit" gelingt, den persönlichen Willen und persönliche Machtausübung (eine Heruntertransformation der Energie des "Willens oder der Macht") dem göttlichen Willen zu unterstellen, dann hat er sein Ziel auf diesem Planeten erreicht.

Siehe dazu "Sieben Energien, sieben Daseinsebenen"


Die Evolution hat ein Ziel, einen Plan.

Wenn wir die Geschichte des Menschen zurückverfolgen, wird deutlich, dass dieser Plan mit der Entwicklung von Denken und Bewusstsein zusammenhängt. Wir haben auf diesem Gebiet Vieles erreicht, doch sind die Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft. Das zeigt das Leben vieler großer Menschen, die vor uns lebten, vor allem das der zwei Größten, die wir kennen: Buddha und Christus. Letzterer stellte mit seinem Leben symbolisch die Entwicklungsstadien dar, die jeder Mensch einmal zu durchlaufen hat.

Jedes irdische Dasein ist eine Form, von einer geistigen Idee oder Vorstellung geschaffen und von ihr so lange "belebt", wie sie aufrechterhalten wird. Das geschieht unter dem Gesetz des Denkens.

Ein anderes großes Gesetz des Kosmos, das Gesetz der Zyklen, bewirkt jedoch, dass alles Erschaffene auf seinem Höhepunkt beginnt, sich seinem anderen Pol zuzuneigen, so dass etwas Neues in Erscheinung treten kann. Das ist auch die Ursache des Entstehens der verschiedenen Zeit-Abläufe, die wir kennen: der Atemrhythmus, Tag und Nacht, Jahreszeiten, Lebensalter – kurz, das Werden, Bestehen und Vergehen alles Erschaffenen. Am Ende eines Zyklus setzt eine Zeit der Ruhe ein, eine Übergangszeit, in der das Erworbene wieder eingesammelt und für eine neue Phase bereitgestellt wird, in der ein Lebewesen seine Idee sichtbar in eine Form bringen wird.

Im Fall des Menschen ist dieses Lebewesen seine Seele, die mit jedem neuen "Sichtbarwerden" (Inkarnation) eine neue Aufgabe vor sich hat, die ihre Entwicklung weiterführt. Es ist ein langer Weg, den der menschliche Pilger wandern muss, aber er bringt ihn ganz gewiss hinter sich, denn der Weltenzyklus, in dem er ihn zu gehen hat, dauert (fast) eine Ewigkeit.

Nach jedem "Tod" nimmt der neu inkarnierte Mensch den Faden dort wieder auf, wo er abgerissen war. Er ist noch der Gleiche wie zuvor und besitzt alle Erfahrungen und Errungenschaften seines vorigen Lebens, nur bleiben einige davon beiseitegesetzt, wenn sie für die neue Aufgabe nicht erforderlich sind.


Warum gibt es den Tod?

A
Die Schöpfung folgt einem Plan; sie hat einen Zweck, den sie mit ihrer siebenfachen Energie verwirklicht. Geist stellt die Energie des Willens zur Verfügung, Materie ihre intelligente Schaffenskraft und die anziehende Energie des Wissens und der Weisheit bringt das Ganze zusammen. Ist der Zweck erreicht, löst sich alles wieder in die Eine Energie auf.

Mit Hilfe der sieben Energien und ihren entsprechenden Gesetzmäßigkeiten entwickelte sich die Welt der Formen und ihrer siebenfachen Lebensbereiche. Geist, die höchste Energie, hüllte sich in die sechs von Stufe zu Stufe dichter werdenden Energie"häute" – das Einwickeln, die Involution, die Entwicklung von Form. Nun soll er sich wieder herauswickeln (Evolution) und allen Atomen zu Bewusstsein verhelfen. Das kann er beim besten Willen nicht, denn sein eigenes Bewusstsein ist zu hoch, als dass es in den materiellen Formen Widerhall finden könnte.

Die einzige Methode ist die einer langsam fortschreitenden Bewusstseins-Entwicklung des Geistfunkens innerhalb der materiellen Form. Dies geschieht durch Ablegen der jeweils verbrauchten Form und Anlegen einer neuen, verbesserten – also durch Reinkarnation des Geistes in immer wieder neu angepasste Formen oder Körper. Auf diese Weise bewegen sich alle "Atome" vom Mineral bis zum Tier. Die Erfahrungen der einzelnen Wesen werden im Bewusstsein der Gruppen gespeichert, in denen die einzelnen Minerale, Pflanzen oder Tiere zusammengefasst sind.

Als einige der Tierkörper entsprechend entwickelt waren, konnte eine andere Methode zum Einsatz kommen. Hochentwickelte Wesen von außerhalb des Planetensystems kamen dem eingeschlossenen Geist zur Hilfe – Wesen, welche dieses fehlende Zwischenglied des eigenständigen Bewusstseins besitzen, die Söhne des Denkens. Einige verkörperten sich, andere nahmen Wohnung in den dazu bereiten Tierkörpern. Dies waren die Lehrer und Kulturbringer der frühen Menschheit. Jene, die den Bewusstseinsfunken in den dafür tauglichen Körpern stimulierten, schufen dadurch den Kausalkörper, das Ego, welches für die lange Zeit der Entwicklung des menschlichen Wesens die Verantwortung zu tragen hat. Durch diese Individuation wurde eine andere, raschere Methode möglich, die der bewussten, selbstbestimmten Mitarbeit des Menschen. Der Mensch, das Ich-bewusste Wesen, konnte seine Wanderschaft aufnehmen.

Das Ego, die Individualseele des Menschen, hat die Aufgabe, das menschliche Wesen zu leiten, damit es aus freiem Entschluss seinen Part im Evolutionsspiel übernimmt, allmählich die Materie zu vergeistigen und zurück zur Ausgangsquelle zu führen. Dieser Rückweg bringt den Formen auf den jeweiligen Stufen stets den Tod – von der Form her betrachtet. In Wirklichkeit geschieht jedoch eine beständige Erhöhung der Schwingung von Daseinsebene zu Daseinsebene, eine Zunahme von Licht, Strahlung und Bewusstsein. (Menschsein ist eine nötige Zwischenstufe, über die jegliche Weiterentwicklung geschehen ist und geschehen wird.)

(siehe dazu "Erleuchtung" und "Nahtod-Erfahrungen"

Der sog. Tod ist lediglich der Übergang zu einer höheren Bewusstseinsstufe und der kurze Moment des Absprungs aus dem vorigen in das neue Stadium. Er ist eine Erleuchtungs-Erfahrung, schmerzlos und voller Glückseligkeit. Die Persönlichkeit dagegen, die nur um ihre materielle Umwelt weiß, sieht einen Fall ins Nichts, in furchterregendes Unbekanntes und den Verlust alles Altgewohnten und Liebgewordenen. Sie sieht Krankheit und Schmerzen, und ihre Furcht beruht hauptsächlich darauf.

Doch mit jedem Tod erfährt sie eine Bewusstseins-Erweiterung auf der jenseitigen Ebene. Nur kann sie diese Erfahrung nicht mit in ihr nächstes Leben nehmen, da sie dann einen neuen Körper besitzt, in dessen Gehirnzellen die Erfahrungen des vorigen Lebens nicht gespeichert sind.

Es besteht die Möglichkeit, schon hier im alltäglichen Leben an einer Bewusstseins-Erweiterung zu arbeiten, so dass es einmal gelingen wird, das Ablegen der Körperform, den Übergang auf die höheren Ebenen, tatsächlich bewusst zu vollziehen und die Freude und liebevolle Gegenwart der Seele zu erfahren.

Das, was wir "Tod" nennen, ist vorerst für die Mehrheit der Menschen die einzige Art eines Kontakts mit dem eigenen göttlichen Selbst. Wenn wir einmal so weit fortgeschritten sind, dass wir auch im Wachbewusstsein ständig in Verbindung mit der Seele stehen, dann wird der Tod oder das Todesgeschehen seine Schrecken verloren haben. Wir werden es selbst erfahren haben und daher wissen, dass es keinen Tod gibt – weder für die zurückgelassene Form (denn sie bzw. ihre einzelnen Atome werden zu einem späteren Zeitpunkt in den Entwicklungs-Kreislauf zurückkehren) noch für den eigentlichen Menschen, der ja ein geistiges Wesen ist, ohne Geburt und unsterblich.


B
Materie hat die Tendenz, sich zu vervielfältigen und sich in immer speziellere Formen zu verästeln. Hat die Form ihrem Zweck gedient, so wird sie aufgelöst, ihre einzelnen Bestandteile zur Weiterverwendung gespeichert und eine den neuen Anforderungen dienende Form entwickelt. Nichts Neues könnte geschaffen werden, bevor nicht dieser Zerstörer-Aspekt seine Arbeit getan hat. Ein Stillstand und Auf-der-Stelle-Treten wäre die Folge.

Materie stellt mit ihrer schaffenden Intelligenz passende Formen bereit, die dem Geist zur Weiterentwicklung dienen, denn nur mit ihrer Hilfe (als Mittler oder Träger) kann er sich auf Ebenen betätigen, deren Energie gröber ist als seine eigene. Die Formen müssen also immer wieder dem jeweiligen Entwicklungsstand gemäß gestaltet werden, das heißt, nicht länger zweckdienliche müssen ausgesondert werden, werden "geopfert" oder "sterben".

Der Tod dient dem Leben.


C
Geist ist Einheit und Identifikation mit allem. Da Individualisierung eine Trennung vom Ganzen ist, bedeutet sie daher für den geistigen Funken in einer materiellen Form den Tod. Umgekehrt bedeutet der Tod für die Persönlichkeit das Ende ihres Lebens, für die innewohnende Seele jedoch eine Befreiung, eine Geburt in die Freiheit.

Der Tod gibt diejenigen frei, die in einer Form gebunden sind und ermöglicht damit den "Überlebenden" eine neue, angepasstere Möglichkeit des Lebens.


D   Nach dem Tod
Hat die übergeordnete Seele ihre Aufgabe der jetzigen Inkarnation beendet oder muss sie beenden, weil zum Beispiel der Körper verbraucht ist oder weil die Persönlichkeit einfach nichts mehr dazulernen kann, "ruft" sie ihren Anteil, die menschliche Seele, zurück. Dieser Ruf wird von der Persönlichkeit manchmal vernommen, meist aber nicht, weil noch keine bewusste Verbindung zwischen Seele und Persönlichkeit besteht.

Der "Ruf" setzt verschiedene Aktivitäten in Gang, die entweder ein rasches Zurückziehen des Lebens- und des Bewusstseinsaspekts zur Folge haben oder auch Krankheit einleiten, die den Körper allmählich schwächt und auf den "Auszug" der Seele vorbereitet.

Die menschliche Seele, die Bewusstsein ist, verlässt nach und nach ihre Körperhüllen (es können verschiedene Sterbephasen beobachtet werden) und kehrt zu ihrem übergeordneten Seelenteil zurück, der Individualseele. Der Mensch ist derselbe wie vorher – es gibt keinen Tod. "Tot" ist nicht einmal die Körperform. Ihre Zellen und Atome kehren in das große Sammelbecken zurück, aus dem sie irgendwann wieder entnommen und zum Bau von neuen Formen zusammengesetzt werden.

Siehe dazu "Was nach dem Tod geschieht"