"HERAUS AUS DER KRISE"
stellt in den Mittelpunkt, dass dem Denken Energie folgt und dass daher Denken und Vorstellung das Leben gestalten.

Wenn daher eine Situation verändert werden soll, genügt es nicht, äußere Formen auszutauschen (ein neuer Partner, ein neuer Arbeitsplatz), sondern:

Das Denken muss verändert werden. Schon Paulus sagte damals: "Ändert euch, indem ihr euer Denken ändert."

KRISE – WIE KOMMT MAN HINEIN UND WIE WIEDER HERAUS ?

WAS IST DAS ÜBERHAUPT – EINE KRISE?

Sobald wir das Wort "Krise" hören, denken wir "o je", Krise ist nichts Gutes; alles, was einmal war, ist plötzlich aus und vorbei; es gibt Schmerz, Leid, Krankheit, Tod.

So ist es, so sind die Folgen – aber

DIE URSACHE EINER KRISE IST DIE:

Der Mensch trägt in sich eine tiefe Sehnsucht nach Einssein – nach Liebe, Geborgenheit, Verstanden- und Akzeptiertwerden. Darum dreht sich alles im Leben.

Trotz aller Bemühungen finden wir nur immer wieder für kurze Zeit Befriedigung in dem, was wir tun und mit dem, was wir erwerben. Nie ist der wirkliche Hunger gestillt, der wirkliche Durst gelöscht, denn in der materiellen Welt gibt es kein Verharren in einem Zustand, sondern ständige Veränderung und daher kein Einssein. Und irgendwann kommt eine Zeit, in der das seitherige Lebensgebäude in sich zusammenfällt.

Eine Krise zeigt an, dass etwas gewachsen ist und nicht mehr zum Seitherigen passt. Ein Teil in uns reagiert auf die Überzeugung, die irgendwo tief innen steckt und sagt, dass das doch nicht alles gewesen sein kann, was das Leben zu bieten hat. Der andere Teil ist hilf- und ratlos, weil er kein anderes Lebensrezept hat und im Grund nur immer das Gleiche wiederholen kann. Die beiden Teile reiben sich aneinander, und das ergibt Unzufriedenheit, Schmerz, Resignation.

Eine Krise ist eine günstige Gelegenheit, Lebenssituationen zu überdenken und neu zu ordnen. Eine Krise ist ein Zeichen von Fortschritt und eine sich bietende Gelegenheit – kein Unheil oder Misserfolg. Gerade durch solche Krisen hat sich ja die Menschheit bis zum heutigen Stand weiterentwickelt, und der Einzelne tut das in gleicher Weise.

Eine Krise ist also kein schlimmes Übel. Zu etwas Schlimmem kommt es nur, wenn die Gelegenheit nicht ergriffen wird und man beim Alten stehen bleibt.

Alle Schwierigkeiten (Unbehagen, Schmerz, Kummer usw.) sind Anzeichen eines Weiterstrebens. Sie sind Reaktionen der bereits gewachsenen und integrierten Anteile des Menschen auf jenen Aspekt, der noch integriert werden will. Dieser noch aufzunehmende Aspekt ist stärker als die "wartenden", empfangsbereiten oder negativen Aspekte. Er ist positiv und voller Energie. Daher entsteht das Gefühl der Reibung und des Unbehagens.

Wenn man sich aus verfahrenen Lebenssituationen befreien will, muss man handeln, und vor dem Handeln muss dem Denken eine neue Richtung gegeben werden. Anders funktioniert das nicht. Man ist aufgerufen zu handeln. Man ist aufgerufen, sich zu entscheiden und das auszusortieren, was nicht mehr akzeptiert werden kann. Alte Denkgewohnheiten sind zu überprüfen und darauf abzuklopfen, ob sie noch dem Leben dienen oder eher lebensfeindlich geworden sind.

Doch zuvor muss die Bereitschaft vorhanden sein, neue Werte überhaupt integrieren zu wollen, neues Denken und neue Vorstellungen überhaupt zuzulassen. Denn es kann furchterweckend sein, die alten Bahnen zu verlassen und Neuland zu betreten, was gefühlsmäßig meist einem Schritt ins Bodenlose gleichkommt. Aber es geht kein Weg daran vorbei.

Eine Krise bringt notwendigerweise Anstrengung mit sich. Sobald sie aber ausgefochten und überwunden ist, schenkt sie das Gefühl, etwas gewonnen zu haben und mehr Freiheit zu besitzen.


WAS DURCH MALEN GESCHIEHT

Die dem Menschen angeborene schöpferische Fähigkeit oder Vorstellungskraft, so zu handeln "als ob" ist der Schlüssel zur Lösung des Problems. Mit ihrer Hilfe kann zwischen dem aktiven, sich wehrenden alten Teil und dem passiven Anteil, der schon integriert ist, eine Brücke gebaut werden. ("Wie der Mensch denkt, hofft und will, so ist er.")

Bei diesem Brückenbau stellt Ausdrucksmalen eine gute Hilfe dar, denn eine nötige Veränderung der Lebenssituation kann auf dem Papier geprobt werden. Dabei wird genau empfunden, ob das Resultat gut und richtig ist, so dass man sich ermutigt daran wagen kann, die Umsetzung im Alltag anzustreben.


AUSDRUCKSMALEN bringt

  1. alle Eigenarten und Verhaltensmuster zutage und damit die Ursache einer Krisensituation.
  2. Es dehnt die Wahrnehmung auf "innere" Bereiche aus. Das bedeutet, sich der Intuition zu nähern (in anderen Begriffen ausgedrückt: der Seele, dem Höheren Selbst, der inneren Göttlichkeit, der inneren Weisheit, dem inneren Meister) und zu lernen, hinter die äußere Form zu schauen.

Durch Wahrnehmen und malendes Umsetzen der Impulse entsteht die Erfahrung, dass ihnen vertraut werden kann: innere Festigkeit, Vertrauen in sich und in das LEBEN sind die Folge.


WIE GERÄT MAN IN EINE KRISE?

1. Das Leben wird von außen bestimmt

Der Mensch macht im Lauf seines Lebens Erfahrungen, entwickelt Vorstellungen und ein entsprechendes Verhalten. Danach lebt er und dabei bleibt er.

a) Ein äußerer Mantel aus Arbeit, Pflicht, Erwartungen, Wünschen, Normen, Bindungen gibt Orientierung, Struktur, Halt, Sinn und mauert den inneren Persönlichkeitskern mehr oder weniger ein.

b) Das Leben wird erweitert:
Der Mantel wird "verschönert" durch Kunst, Literatur, Musik, schöne Dinge, ethische Werte, Reisen, freundschaftliche Beziehungen. Ein "gutes" Leben ist das Ziel. Was sonst kann der Sinn des Lebens auf dieser Welt sein?

Anpassung, Flucht, Rebellion, Kompensation, Krankheit – das sind die Stationen solchen meist jahrzehntelangen Verhaltens, des "ganz normalen, alltäglichen Wahnsinns", den wir alle kennen.

Leben bedeutet ständige Veränderung und Anpassung an Neues – es ist ein zyklisches Weitergehen und Wachsen. Der Stehenbleibende begegnet allem mit seinem alten, eingefahrenen Muster. Er hat kein anderes entwickelt, weil er damit die Wiederholung einer einmal gemachten Erfahrung vermeiden will – auch jetzt, wo er älter und erfahrener ist und eigentlich anderes Werkzeug zur Verfügung hat als damals (oder es wenigstens erwerben könnte).

2. Der Mantel stellt eine Pseudo-Persönlichkeit dar.

Sie macht sich ein Bild davon, wie sie sein sollte, um (über)-leben zu können. Sie denkt von sich als ein Nichts und will sich durch ihr Verhalten von ihrer Umwelt Liebe und Akzeptanz "erkaufen".

Sie kann sich nicht vorstellen, wer oder was sie (unter dem Mantel) wirklich ist.

3. An dieser Stelle tritt eine Sinnkrise ein.

Das Seitherige kann nicht mehr wirklich befriedigen oder "das Schicksal" schlägt zu wie der Blitz aus heiterem Himmel. Psychische oder physische Schwierigkeiten zwingen zur Suche nach neuen Möglichkeiten.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Will ich das Durcheinander neu ordnen oder lasse ich einfach alles laufen? Gebe ich der Angst vor Neuem nach oder wage ich das Experiment des Neubeginns? Lasse ich mich ohnmächtig treiben und fallen oder suche ich nach einem festen Stand unter den Füßen?

Was ist es denn eigentlich, das fehlt? Was will das Ich wirklich? Was braucht es wirklich? Das Ich weiß es nicht.

4. Das wirkliche Ich ist unter dem Mantel verborgen.

Wenn es zum Vorschein kommen soll, muss der Mantel ausgezogen werden. Ein Mantel wird ausgezogen, indem man ihn zunächst einmal öffnet.

Man "horcht" oder fühlt "innen" nach, was jetzt im Moment stimmig ist – anstatt sich am Äußeren oder an den eigenen, eingefahrenen Vorstellungen zu orientieren.

Damit wird der Wille zur Veränderung eingesetzt.

Weil der Mensch dazu neigt, ein einmal erworbenes Verhaltensmuster beizubehalten, läuft dieses im Lauf der Zeit in den entsprechenden Situationen automatisch ab. Er bemerkt es daher überhaupt nicht. Er findet sich höchstens erstaunt in den stets gleichen ärgerlichen Situationen wieder.

Dieses alte Verhaltensmuster gilt es ausfindig zu machen, indem man sich beobachtet. Gibt es Situationen, in denen immer Ähnliches erfahren wird? In denen man immer ähnlich reagiert?