WAS NACH DEM TOD GESCHIEHT

A. A. Bailey, Eine Abhandlung über Weiße Magie, Seite 528
"Der Tod ist hauptsächlich eine Bewusstseinsangelegenheit. In dem einen Augenblick sind wir bewusst auf der physischen Ebene, und einen Augenblick später haben wir uns auf eine andere Ebene zurückgezogen und sind dort aktiv bewusst. Nur so lange, als unser Bewusstsein sich mit dem Formaspekt identifiziert, wird der Tod für uns seinen alten Schrecken behalten."

Wird ein physischer Körper abgelegt, weil er für die innewohnende Seele/die innere Gottheit nicht mehr als Ausdrucksmittel dienen kann, so befindet sich das "Ich" (eben diese menschliche Seele, die sich jedoch meist noch mit der Persönlichkeit und dem Körper identifiziert) mit Emotional- und Mentalkörper zunächst auf der Emotional-Ebene.

A. A. Bailey, Esoterisches Heilen, Seite 534 ff
"Er wird bewusst seiner selbst gewahr. Zeit existiert jetzt nicht mehr, da sie ja die Aufeinanderfolge von Ereignissen ist, die vom physischen Gehirn registriert werden. Ein Seelenkontakt findet statt, und in diesem kurzen Augenblick sieht der Mensch die Erfahrungen der vergangenen Inkarnation wie eine Landkarte vor sich ausgebreitet. Er erlebt ein Gefühl der Zeitlosigkeit.

Hat der Mensch diese Erfahrungen erkannt, sondert er diejenigen drei Erlebnisse heraus, die im vergangenen Leben die bestimmenden Hauptfaktoren waren. Sie sind die Schlüssel zur nächsten Inkarnation. Alles andere verschwindet aus dem Gedächtnis.

Nach dem Aussondern seiner Lebenserfahrung wird er diejenigen suchen und finden, zu denen er unbewusst oder bewusst gehört. Ist die Verbindung einmal hergestellt, dann handelt der Mensch so, wie er es auf Erden tun würde. Wenn diejenigen, die ihm am nächsten stehen und die er zutiefst liebt oder hasst, noch physisch inkarniert sind, wird er sie ebenfalls aufsuchen und wird – so wie er es auf Erden tat – in ihrer Nähe bleiben. Er nimmt ihr Tun und Treiben wahr, auch wenn sie nichts davon wissen."

"Dies erstreckt sich über verschieden lange Zeitspannen, vom Blickpunkt derer aus gesehen, die "unten leben", denn der Mensch auf der Astralebene nimmt ja keine Zeit wahr. Allmählich erschöpft sich die Verlockung und Verblendung, und der Mensch kommt nun in das Stadium, in dem er weiß, dass er bereit ist für die vollständige Ausmerzung des Emotionalkörpers. Dieser stirbt ab, denn da von der physischen Substanz kein Ruf mehr kommt, der eine Begierde erweckt, gibt es nichts mehr, womit dieser Körper genährt werden könnte.

Der sich zurückziehende emotionale Mensch reagiert auf den "Zug" eines rasch sich entwickelnden Mentalkörpers. Die Seele "richtet ihr Auge auf den Wartenden" und lenkt ihn augenblicklich auf den hinunterführenden Pfad der Wiedergeburt.

Ein Mensch ist sich auf den inneren Ebenen nicht nur seiner selbst als eines Einzelwesens bewusst – mit seinen eigenen Plänen und Lebensinteressen – so wie er es auf der physischen Ebene war, sondern er ist sich auch der ihn umgebenden Bewusstseinszustände bewusst. Er mag vielleicht der Täuschung der Astralwelt verfallen sein oder den Eindrücken der vielen Gedankenströmungen unterliegen, die von der Mentalebene ausgehen, aber er ist auch seiner selbst und seines Denkens in einer viel stärkeren Weise bewusst als zu der Zeit, da er sich noch des physischen Gehirns bedienen musste.

Auf der inneren Seite wissen die Menschen, dass das Gesetz der Wiedergeburt den Verlauf der Lebenserfahrung auf der physischen Ebene bestimmt. Sie erkennen, dass sie vor dem Abstoßen des emotionalen oder des mentalen Körpers lediglich eine Übergangszeit zwischen den Inkarnationen durchmachen.

Nach einem langen oder kurzen Augenblick des Kontaktes mit der Seele findet eine ziemlich heftige Hinwendung zum Erdenleben statt, die zu dem führt, was man den Vorgang des Abstiegs und des Rufens nennt, in dessen Verlauf der Mensch sich wieder auf eine physische Inkarnation vorbereitet, die nötige Substanz zusammenholt, um seinen künftigen Manifestationskörper zu bilden und ihn mit den Qualitäten und Merkmalen auszustatten, die er bereits durch seine Lebenserfahrung gewonnen hat. Er wählt mit Bedacht diejenigen aus, die ihn mit der für ihn notwendigen grob-physischen Hülle versorgen werden und wartet dann auf den Augenblick der Inkarnation. (Die Eltern steuern lediglich den grob-physischen Körper bei, ein Werkzeug des Kontaktes mit der Umwelt, das die sich inkarnierende Seele braucht.

Vom Augenblick der Trennung vom physischen Körper ist sich der Mensch der Vergangenheit und Gegenwart bewusst. Ist dann die Stunde des Kontaktes mit der Seele gekommen und auch die Mentalhülle im Abbau begriffen, so wird er unmittelbar der Zukunft gewahr, denn die Vorherschau ist eine Eigenschaft des Seelenbewusstseins, dessen der Mensch eine Zeitlang teilhaftig wird. Das Erkennen des Ewigen Jetzt entwickelt sich schrittweise von einer Inkarnation zur anderen und infolge der ständigen Wiederverkörperung weiter."

In dieser Phase belehrt das Tibetische Totenbuch den Verstorbenen darüber, dass er sich nicht ängstigen solle vor etwa auftauchenden Schreckgestalten, weil sie nur Bilder seiner eigenen Vorstellungen und Ängste seien.

"…, höre, was ich dir zu sagen habe. Der Tod ist nun gekommen und du nimmst Abschied von dieser Welt. Aber du bist nicht der Einzige, denn der Tod sucht alle Menschen auf der Erde heim. Sei gewillt, alle Verbindungen zu deinem Leben, das du gelebt hast, zu lösen. Lasse auch los von den Menschen, mit denen du verbunden warst. Gleich, welche Furcht und Schrecken du erlebst, bleibe ruhig und behalte diese Gedanken in deinem Bewusstsein. Gehe weiter. Erkenne, dass jede Vorstellung, dass jedes Bild, das dir begegnet, Kreationen deines Selbst sind – deine eigenen Vorstellungen und Ängste. Bewahre diese Erkenntnis, und du wirst die Erlösung erreichen."

Dass der Mensch sich an seine früheren "Leben" nicht mehr erinnern kann, liegt daran, dass diesbezügliche Erfahrungen und Erinnerungen ja in den abgelegten Körpern gemacht wurden - und daher im jetzigen Leben nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie sind zwar im Seelenkörper auf der Intuitionsebene gespeichert, doch im Allgemeinen hat der Mensch sein Bewusstsein noch nicht so weit entwickelt, dass es diese Ebene mit einschließen könnte, dass er dort so zu Hause wäre wie auf der Ebene des Denkens.

Siehe auch:  K. O. Schmidt, Das Tibetische Totenbuch